
Homeoffice in den Sommerferien: So klappt Arbeiten, wenn keine Betreuung da ist
Die Schule ist aus, der Kalender zeigt sechs Wochen Sommerferien – und dein Terminplan sieht immer noch aus wie vorher. Kein Urlaub reicht aus, um zwölf Wochen Ferien im Jahr zu überbrücken, und irgendwann stehst du vor der Frage: Wie soll das gehen, Vollzeit arbeiten und gleichzeitig ein Kind zu Hause bespaßen, das eigentlich gerade frei hat?
Die ehrliche Antwort: Es geht nicht so, wie an einem ganz normalen Arbeitstag. Und genau deshalb lohnt es sich, die Ferienwochen anders anzugehen als den Rest des Jahres – statt sich selbst unter Druck zu setzen, dass alles gleich gut laufen muss.
Warum die Ferien zum echten Stresstest werden
Das Homeoffice wurde ursprünglich selten mit dem Gedanken „Kind ist gleichzeitig zu Hause“ geplant. Studien zeigen, dass Eltern im Homeoffice ohnehin schon tendenziell länger arbeiten als im Büro – bei Müttern mit kleineren Kindern sogar besonders häufig mit Überstunden. Und einer der meistgenannten Gründe, warum das Arbeiten von zu Hause schwierig wird, sind genau häusliche und familiäre Pflichten.
In den Ferien kommt das alles zusammen: kein Vormittag mehr, der automatisch für dich frei ist, keine Struktur von außen, die den Tag in Blöcke einteilt. Wenn du das Gefühl hast, dass die Ferienwochen sich anders anfühlen als der Rest des Jahres – liegt das nicht an dir. Das ist einfach eine andere Ausgangslage.
Erstmal ehrlich sein: Volle Leistung ist in dieser Zeit unrealistisch
Der wichtigste Schritt kommt vor jeder Tipps-Liste: die eigenen Erwartungen anpassen. Wer versucht, in den Ferien genauso viel zu schaffen wie sonst, wird meistens enttäuscht – von sich selbst und von der Situation.
Realistischer ist es, für diese Wochen bewusst umzuplanen: Welche Aufgaben können liegen bleiben oder verschoben werden? Wo reicht „gut genug“ statt „perfekt“? Wenn du dir das schon vorher eingestehst, nimmst du dir selbst eine Menge Druck.
Einen Arbeitsbereich schaffen, der Kind und Job nebeneinander erlaubt
Die räumliche Situation macht oft den größten Unterschied. Ein Sichtschutz oder Raumteiler kann schon reichen, damit ein Videocall nicht ständig unterbrochen wird, weil im Hintergrund etwas passiert. Bei älteren Kindern hilft oft eine eigene kleine Ecke direkt neben deinem Arbeitsplatz – ein Klapptisch, eine Bastelecke, irgendein Ort, der als „ihr Bereich“ erkennbar ist, während du in Sichtweite bleibst.
Auch gute Kopfhörer sind in dieser Zeit Gold wert – nicht nur für dich, um dich während eines Calls auf die Stimme am anderen Ende zu konzentrieren, sondern auch fürs Kind, das nebenbei ein Hörbuch hören oder in Ruhe spielen kann, ohne dass ihr euch gegenseitig stört.
Zeitliche Strukturen, die tatsächlich funktionieren
Feste Arbeitsblöcke mit klaren Pausen dazwischen funktionieren in den Ferien oft besser als ein durchgehender Arbeitstag. Wenn dein Kind weiß, wann du „richtig arbeitest“ und wann du wieder Zeit hast, entsteht mehr Verständnis als bei einem diffusen „ich arbeite gerade irgendwie den ganzen Tag“.
Bei jüngeren Kindern lohnt es sich, die konzentriertesten Aufgaben in die Ruhephasen zu legen – früh morgens, während des Mittagsschlafs oder abends, wenn das Kind schon schläft. Kommunikationsaufgaben wie E-Mails oder kurze Absprachen lassen sich dagegen leichter tagsüber zwischen andere Dinge schieben.
Ein einfacher visueller Zeitplan – und sei es nur eine Uhr mit bunten Markierungen für „Mama/Papa arbeitet“ und „Mama/Papa hat Zeit“ – hilft besonders kleineren Kindern, damit umzugehen, auch wenn sie noch keine Uhr lesen können.
Beschäftigung, die nicht nur aus Bildschirmzeit besteht
Es muss niemand ein schlechtes Gewissen haben, wenn in stressigen Phasen mal mehr Bildschirmzeit zusammenkommt als sonst. Aber ein paar ruhige Beschäftigungsalternativen in der Hinterhand zu haben, macht die Tage für alle entspannter: Hörspiele, kleine Bastelsets, die ohne viel Erklärung funktionieren, oder einfach Material, mit dem sich das Kind zwanzig Minuten am Stück allein beschäftigen kann, während du eine wichtige Aufgabe zu Ende bringst.
Wenn es allein einfach nicht reicht
Manche Wochen lassen sich mit noch so guter Organisation nicht allein stemmen – und das ist in Ordnung. Ferienbetreuungsangebote gibt es in vielen Kommunen, auch wenn Verfügbarkeit und Kosten stark variieren und man sich oft frühzeitig kümmern muss. Nachbarschaftshilfe oder ein Tauschmodell mit anderen Eltern („ich nehme deine Kinder am Montag, du meine am Dienstag“) kann ebenfalls einiges abfedern.
Es lohnt sich auch, offen mit dem Arbeitgeber zu sprechen. Viele Unternehmen zeigen in den Sommermonaten mehr Flexibilität bei Kernarbeitszeiten, als man vermutet – aber nur, wenn man danach fragt.
Checkliste für den Start in die Ferienwoche
– Erwartungen an die eigene Leistung realistisch anpassen
– Einen ruhigen Rückzugsort oder Sichtschutz für Calls einrichten
– Feste Arbeitsblöcke festlegen und dem Kind sichtbar machen
– Zwei bis drei ruhige Beschäftigungsoptionen bereithalten
– Prüfen, ob lokale Ferienbetreuung oder Tauschmodelle infrage kommen
– Mit dem Arbeitgeber über flexible Kernzeiten sprechen
Zum Schluss
Die Ferienwochen werden nicht zum entspanntesten Teil des Jahres – das muss auch niemand vortäuschen. Aber mit ein bisschen Vorbereitung, realistischen Erwartungen und den richtigen kleinen Hilfsmitteln lässt sich die Zeit deutlich entspannter gestalten, als wenn man einfach versucht, den normalen Alltag eins zu eins durchzuziehen.


